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Buch: Der Clown und die Gitarre: Kapitel 1

1 Vorbei die Tage, an denen ich vorm Einschlafen sorgsam meine Gitarre in den Armen wiegte und sie streichelte, weil sie so hübsch ist. Vorbei die Tage an denen ich mich dessen schämte und das Ganze selbstverständlich auch noch für mich behielt. Ich bin verliebt in meine Gitarre und in die Musik. Und baäm wir treibens wie die Hunde, auf dem Sofa, auf dem Tisch, wo ich will, wo sie will. Frühstück? Will ich keins! Nur noch ein wenig schlafen und dann raus aus dem Fenster auf den Hinterhof, am besten ohne dich, am besten alleine, denke ich, sage nein und verzieh mich als ich kann, schleich mich feige davon und fall in mein Bett in der abgefucktesten Wohnung des Jahres und träume die abgefucktesten Dinge meines Lebens. Frauen, ja Frauen, sie sind mir unheimlich. Wie sie unschuldig verdorben tanzen, große Augen machen, sich nicht von ihrer Plüschtierarmee verabschieden können und im Hello-Kitty Schlafanzug antanzen, wenn sie müde sind, aber gleichzeitig nur ein Wort brauchen, um dich zu töten, einen Tritt um dich zu kastrieren und eine Augenbewegung um dich in den Selbstmord zu schicken. Frauen, nein ich hasse die Frauen nicht. Die Frauen hassen mich. Zumindest nach drei Tagen. Ja, ziemlich genau nach drei Tagen… Meistens bin ich ihnen einfach zu verrückt. Das sagte einst auch E.B. und ließ prompt kurz darauf einen Eimer ihres Urins in der WG stehen. Bleibt nur T. Sie hasst mich nicht. Jedenfalls noch nicht. Ich wähle ihre Nummer, sie geht ran. „Ja?“ „Ach, geh wieder schlafen.“ Ich lege auf. Mein Kühlschrank langweilt mich. Mehr als ein halbes Snickers in fragwürdigem Zustand hat er mir nicht zu bieten. Ich schiebe mir das Ding in den Mund, welch merkwürdige Konsistenz und Geschmack es hat… Um sicher zu gehen, dass es sich nicht an meiner Speiseröhre festkrallt – was ich dem Teil jedenfalls zutrauen würde – spucke ich es ins Waschbecken zu meinen Töpfen. Meine Töpfe! Die haben auch schon bessere Tage gesehen. Verkrustet, fast schon mit Mustern aus vertrocknetem Essen liegen sie da und starren mich an: „Wasch mich, wasch mich!“ denken sie wahrscheinlich. Vergesst es. Solln das mal die Obstfliegen machen, die um euch rumkreisen. Die essen doch bestimmt Dreck. Warum wären die sonst hier? Ich nehme mir ein schales, offenes Bier, das auf dem Boden steht und setze mich auf meine Matratze. Das abgestandene Bier rinnt mir die Kehle runter. Bäm! Knall ich meine Hand gegen den Kopf und zermatsche ein paar Obstfliegen. Sie sind mir gefolgt! Ja ja, sehr lustig, Gott, schon verstanden, die Viecher essen Dreck und jetzt essen sie mich. Ich leere die Flasche und lasse sie gegen die Wand krachen. Einfach so. Warum auch nicht? Ihr wollt Krieg? Den könnt ihr haben! Allenfalls kommt ihr in einer denkbar schlechten Zeit für euch. Mein Deo ist fast leer, daher habe ich zwei. An einer Kerze entzünde ich meine zwei Flammenwerfer und renne mit ihnen durch mein Zimmer. Ich glaube ich kann sie schreien hören, oder knistern, was auch immer, jedenfalls sind sie jetzt alle tot. Oder nein, da sind noch ein paar. Sie weichen geschickt aus, schlagen Haken. Nicht mit mir! Sie werden Asche. Doch gleich auch das Hochhaus, in dem ich wohne. Mein Poster hat Feuer gefangen. Ich kippe einen Kübel Wasser drauf. Gefahr gebannt; nur schwimmt jetzt mein Bett. Egal. Die Sonne geht auf. Zeit zu schlafen.

17.11.13 20:17

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